Aus dem Journal

Imakan: die mündliche Erzählkunst der Hezhe als Trägerin von Erinnerung

Imakan ist eine mündliche Tradition der Hezhe, die Prosa und Vers in gesprochenem und gesungenem Vortrag verbindet. In Jiejinkou sind Dokumentation, Unterricht und öffentliche Aufführungen Teil gemeinschaftlicher Bemühungen um den Erhalt der Tradition.

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Eine Erzählung, getragen von der Stimme

Imakan ist eine mündliche Tradition der Hezhe, die in ihrer Sprache durch eine Verbindung von Prosa und Vers erzählt wird. Das Kultur- und Tourismusministerium beschreibt ihre Geschichten als Träger von Gemeinschaftsgeschichte, Heldenerzählungen, Fischerei- und Jagdleben, Ritualen und Verhaltensregeln. Sie erfüllten mehrere Zwecke zugleich: die Vergangenheit festhalten, jüngere Generationen unterrichten und unterhalten. Ein lokales Planungsdokument aus Jiejinkou beschreibt den Vortrag als überwiegend gesprochen, mit Gesang als begleitender Form und Stücken unterschiedlicher Länge. Imakan ist weder einfach ein Lied noch ein feststehender Text, sondern eine Erzählkunst, deren gesprochene und gesungene Passagen eine Geschichte über einen Abend hinweg oder in einer kürzeren Darbietung tragen können.

Die Sprache lebt im Erzählen

Ein Bericht der People’s Daily aus Jiejinkou von 2026 begleitet Wu Baochen, einen Träger des nationalen immateriellen Kulturerbes der Hezhe, und Li Dingren, der mit ihm am Erhalt der Tradition arbeitete. Wu sagte dem Reporter, Imakan sei ein wichtiges Mittel zur Weitergabe der Hezhe-Sprache, die kein Schriftsystem hat. Nach seiner Pensionierung widmete er sich der Weitergabe der Tradition. Der Bericht beschreibt, wie das örtliche Schutzzentrum Audio- und Videoaufnahmen anfertigte, Materialien zur mündlichen Geschichte ordnete und Archive auf Provinz-, Stadt-, Kreis- und Gemeindeebene aufbaute. Außerdem habe das Zentrum mehr als vierzig Bücher zu Imakan zusammengestellt. Dies sind konkrete Formen der Dokumentation; sie ersetzen nicht die lebendige Arbeit des Lernens und Erzählens.

Aufführungen sind ein Teil des Erhalts

Derselbe Bericht beschreibt Auftritte von Wu und seinen Schülern sowie Li, der dem Publikum die Kunst vorstellte. Ein Livestream nach einer Aufführung in Wuhan erreichte dem Artikel zufolge mehr als 70.000 Zuschauer online. Öffentliche Bühnen können eine mündliche Tradition sichtbar machen, während Archive und Unterricht ihre Weitergabe abseits der Bühne unterstützen. Auch die Tourismusmaterialien von Jiejinkou führen mündliches Erzählen unter den Kulturformen der Hezhe auf, die im Kulturdorf präsentiert werden. So wird die Kunst mit einem konkreten Ort verbunden, ohne sie auf eine Besuchervorführung zu reduzieren.

Ein veränderter UNESCO-Status

Im Dezember 2025 überführte der Zwischenstaatliche Ausschuss der UNESCO Imakan der Hezhe von der Liste des dringend schutzbedürftigen immateriellen Kulturerbes auf die Repräsentative Liste. Außerdem nahm der Ausschuss das Schutzprogramm für Imakan in sein Register guter Erhaltungspraktiken auf. Das Kultur- und Tourismusministerium Chinas erklärt, gemeinschaftsorientierte Zusammenarbeit habe die Weitergabe zwischen den Generationen und die Sichtbarkeit gestärkt und zugleich weitere Beteiligung der Gemeinschaft gefördert. Die Änderung würdigt Fortschritte beim Erhalt; sie bedeutet nicht, dass die Arbeit abgeschlossen ist. In Jiejinkou lässt sich Imakan sowohl über seine Form verstehen – eine Stimme, die zwischen Prosa und Vers wechselt – als auch über die geduldigen Netzwerke aus Trägern, Lernenden, Forschenden und lokalen Einrichtungen, die die Tradition lebendig halten.

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