Aus dem Journal

Acht Pässe und ein Baum je Straße

Der Name Badaguan verspricht deutsche Jahre, doch die meisten Villen stammen aus den 1930er Jahren. Was das Viertel wirklich bewahrt, ist ein Plan: acht Pässe als Straßennamen, eine Baumart auf jeder Straße und eine Baugrenze von fünfzig Prozent.

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Acht Pässe und zehn Straßen

Das Viertel trägt seinen wörtlichen Namen nach den alten Befestigungen Chinas. Drei Straßen verlaufen von Norden nach Süden, Zijinguan, Ningwuguan und Shaoguan, und sieben kreuzen sie: Wushengguan, Jiayuguan, Hanguguan, Zhengyangguan, Linhuaiguan, Juyongguan und Shanhaiguan. Jede ist nach einem Pass benannt, der einst einen Weg ins Innere bewachte, und jede ist mit einer einzigen Baumart bepflanzt, sodass man eine Straße oft nach ihrem Baum nennt und nicht nach ihrem Namen. Die Shaoguan-Straße ist durchgehend mit blühendem Pfirsich bepflanzt, im Frühjahr rosa wie ein Band; die Zhengyangguan-Straße mit Lagerströmie, die im Sommer blüht; die Juyongguan-Straße mit Ahorn; die Zijinguan-Straße mit Reihen von Zedern; die Ningwuguan-Straße mit Zierapfel. Die Blüten öffnen sich vom frühen Frühjahr bis in den späten Herbst, weshalb das Viertel eine Blumenstraße genannt wird.

Die dreißiger Jahre, nicht das Kaiserreich

Von 1897 bis 1914 gab es hier eine deutsche Kolonie, und einige der älteren europäischen Häuser Badaguans sind deutsch, doch der größere Teil des Bestands entstand danach. Die Masse des Viertels stammt aus den 1930er Jahren. Von 1931 bis 1937 ließ der Bürgermeister Shen Honglie das Gelände östlich der Rongcheng-Straße, nördlich bis zur Zhanshan-Straße und südlich bis zur Taiping-Bucht, als Sonderzone für geregeltes Bauen ausweisen: Die Bebauungsdichte musste unter 50 Prozent bleiben, der Grünraum war zu schützen, und offene Mauern waren vorgeschrieben. Daraus gingen mehr als 200 Gebäude in den Stilen Russlands, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, der Vereinigten Staaten, Japans, Dänemarks und etwa zwanzig weiterer Länder hervor, weshalb das Quartier eine Ausstellung der Weltarchitektur genannt wird. Im Jahr 2001 wurde das Ensemble der neueren Bauten zum national bedeutenden Kulturdenkmal erklärt.

Huashilou, steinerne Villa der Altstadt.
Qingdao: Huashilou, die steinerne Villa der Altstadt.

Das steinerne Haus auf dem Felsen

Neben dem Viertel, am Südende des Strands Nr. 2, steht auf einem Felsvorsprung eine steinerne Villa von 1932: Huashi Lou, das Haus aus buntem Stein. Sein Entwerfer Liu Yaochen setzte eine gotische Form gegen russische Linien, baute die Wände aus verschiedenfarbigem Stein und ließ Buntglas in die Fenster schneiden; über dem Bau erhebt sich ein Türmchen, und ein Gang führt vom Haus hinunter zum Meeresufer. Es begann als Privatwohnung eines russischen Kaufmanns, ging an einen britischen Eigentümer über und diente als Residenz des britischen Generalkonsuls, und in den späten 1940er Jahren wohnte Chiang Kai-shek darin. Wenige Straßen weiter, in der Juyongguan-Straße 10, steht das Gebäude, das Prinzessinnenhaus genannt wird; es soll zur Begrüßung einer dänischen Prinzessin errichtet worden sein und ist in Wahrheit die Villa eines deutschen Kaufmanns.

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Bildquellen und Bildrechte
  1. Qingdao: Huashilou, die steinerne Villa der Altstadt.Gisling / CC BY-SA 3.0 · CC BY-SA 3.0 Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗