Aus dem Journal

Wenn ein Familienanwesen zum Regierungssitz wird

Die wechselnden Gebäude der Zhang-Residenz zeigen, wie Amt, Haushalt und politische Ambitionen dasselbe Gelände immer wieder neu ordneten.

In derselben Stadt · Shenyang ↗
Ein graues Herrenhaus erhebt sich über einer breiten Eingangstreppe, eingerahmt von belaubten Bäumen und blauem Himmel.
Die ehemalige Residenz von Zhang Xueliang in Shenyang.

Drei Höfe und mehrere Arten von Arbeit

Eine Folge von Höfen ordnet Menschen ebenso wie Gebäude. In der Residenz der Familie Zhang diente der vordere Hof der Versorgung des Haushalts; der mittlere verband Zhang Zuolins Wohnen mit Amtsgeschäften; der hintere nahm den inneren Haushalt auf. Diese Gliederung zog keine einfache Grenze zwischen Privathaus und Regierungsbüro. Sie ordnete unterschiedliche Grade des Zugangs innerhalb eines Anwesens.

Zhang Zuolin war ein militärischer Machthaber, dessen Machtzentrum im frühen 20. Jahrhundert in Nordostchina lag. Der Bau der Residenz begann 1914; das Hofensemble war 1916 weitgehend fertiggestellt. Sein Sohn Zhang Xueliang übernahm später das regionale Kommando und erklärte 1928 die Loyalität des Nordostens gegenüber der nationalistischen Regierung in Nanjing. Die Familiengebäude standen somit an einem Ort, an dem Haushaltsgewalt und Regierung ungewöhnlich eng beieinanderlagen.

Das Büro zieht in eine Villa

Der Große Qinglou, auch Daqinglou genannt, verändert den architektonischen Maßstab des Anwesens. Das 1922 fertiggestellte dreigeschossige Gebäude aus grauem Backstein verbindet eine europäisch beeinflusste Außenansicht mit den praktischen Anforderungen von Amtsräumen und Wohnen. Sein Name bezieht sich auf die Farbe der Ziegel. Zhang Zuolin verlegte sein Büro in das Gebäude, und ein großer Teil der Familie zog ebenfalls um; die älteren Höfe erhielten eine stärkere Verwaltungsfunktion.

Dieser Umzug ist aufschlussreicher als ein Gegensatz zwischen vermeintlich traditionellem und modernem Geschmack. Die alten Gebäude wurden nicht sofort überflüssig. Ihre Funktion veränderte sich, als der Haushalt und seine Institutionen wuchsen. Architektur bot Spielraum für Neuordnung, und eine eindrucksvolle Fassade machte Macht für jene sichtbar, die sich der Residenz näherten.

Der Kleinere Qinglou fügt eine weitere Variante hinzu: Backstein und Holz, geschnitzter Schmuck und westlich geprägte Details teilen sich einen Bau. Solche Verbindungen widersetzen sich sauberen Stiletiketten. Eine Fenstereinfassung und eine geschnitzte Holzkonsole können unterschiedlichen Entwurfstraditionen angehören und dennoch am selben Gebäude zusammenwirken.

Ein Vorhaben, das sein Auftraggeber nie bezog

Die Gruppe der roten Häuser zeigt eine andere Beziehung zwischen Absicht und Nutzung. Die Museumsforscherin Cheng Yajuan datiert Zhang Xueliangs Plan für diese Büro- und Wohngebäude auf 1929. Ihre Hauptbauten waren fertiggestellt, als der Zwischenfall vom 18. September 1931 dazwischenkam. Zhang lebte oder arbeitete nie wie geplant in diesem Gebäudekomplex.

Im September 1945, nach Japans Niederlage, bezog das Nordostbüro der Kommunistischen Partei Teile des Anwesens. Die roten Häuser, die Höfe und der Daqinglou wurden erneut als Büros und Wohnungen genutzt, bevor das Büro im Oktober weiterzog. Die Geschichte der Residenz reicht folglich über die beiden Männer hinaus, die am engsten mit ihrem Namen verbunden sind.

Zum größeren Museumskomplex gehören auch die ehemaligen Geschäftsräume der Bianye-Bank. Dieser institutionelle Nachbar stellt Finanzgeschäfte neben die häuslichen und militärischen Funktionen des Anwesens. Vollendete Villen, ein unterbrochener Büroplan und die kurze Belegung von 1945 dokumentieren aufeinanderfolgende Nutzungen derselben Gebäude.

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Bildquellen und Bildrechte
  1. Die ehemalige Residenz von Zhang Xueliang in Shenyang.Quelle: Liaoning Provincial Department of Culture and Tourism, via the Liaoning Provincial Government website. Fotograf und Bildlizenz sind nicht angegeben. · Rechtestatus nicht geklärt Quelle des Fotos ↗ Originales Seitenverhältnis beibehalten. Anzeigekopien nur bei Bedarf verkleinert; keine Vergrößerung, kein Beschnitt und keine Retusche.