Aus dem Journal

Die Druckerei von Narthang: Holzstöcke und Textpflege

Narthangs Kanonausgaben und ein Holzschnitt des Vierten Panchen-Lama zeigen, wie Druckstöcke buddhistische Texte und Bilder über Generationen weitergaben.

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Regale mit Druckstöcken im Kloster Natang, 1948
Historische Aufnahme der Regale mit Druckstöcken im Kloster Natang, fotografiert 1948 von Arthur Hopkinson (Tibet Album; Pitt-Rivers-Museum, Datensatz BMH.M.71.1). Die Commons-Datei ist als gemeinfrei gekennzeichnet.

Ein Kloster, bekannt für seine Druckstöcke

Narthang wurde 1153 von Tumton Lodro Drakpa als Kadampa-Kloster in Tsang gegründet. Historische Berichte verbinden den Ort mit einer Druckerei und einer großen Sammlung von Holzstöcken; im 17. Jahrhundert wurde Narthang eine Zweigstelle von Tashilhunpo. Drucken gehörte damit zum Klosterleben. Ein Druckstock war zugleich geschnitzter Gegenstand, aufzubewahrender Besitz und Mittel zur Vervielfältigung eines Textes. Die Druckarbeit verband Schnitzer, Leser und Bewahrer mit fortlaufender Lehre und Ritual. In Holz geschnittene Schrift ließ sich wiederholt auf Papier übertragen und vermittelte Wissen über die Zeit und Kraft eines einzelnen Schreibers hinaus.

Eine Kanonausgabe aus dem 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert gehörte Narthang neben Chone und Derge zu den drei tibetischen Druckzentren, die eine vollständige Ausgabe des buddhistischen Kanons herstellten. Die Columbia University Libraries datieren ihren Narthang-Satz auf 1730 bis 1732 und verweisen auf einen älteren „Alt-Narthang“-Kanon aus dem 13. Jahrhundert, den der Gelehrte Bu-ston Anfang des 14. Jahrhunderts katalogisierte. Das Druckprojekt knüpfte also an eine ältere Tradition des Sammelns und Ordnens von Texten an. Schnitzer übertrugen den Text Seite für Seite auf Holzstöcke, die sich anschließend wiederholt auf Papier drucken ließen. Jede Seite bewahrte die Arbeit des Schnitzers und wurde zugleich Teil einer verbreitbaren Ausgabe.

Der Panchen-Lama in geschnittenen Linien

Die Druckstöcke trugen auch Bilder. Das Rubin Museum identifiziert einen Holzschnitt des Vierten Panchen-Lama Lobsang Chökyi Gyaltsen, der im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts in Narthang entstand. Er gehörte zu einer Bildserie früherer Inkarnationen und konnte auf Papier gedruckt werden; eine weitere Fassung übertrug dasselbe Motiv auf bemalten Stoff. Eine geschnitzte Komposition brachte somit mehrere Objekte aus unterschiedlichen Materialien hervor. Das Bild verbreitete sich durch ein reproduzierbares Motiv, während jeder Druck und jedes Tuch die Spuren seines eigenen Materials bewahrte. Narthang vervielfältigte also nicht nur Texte, sondern überlieferte Bilder in verschiedenen Formen.

Ein Buch zum Aufbewahren und Tragen

Der Kanon-Satz in Columbia macht die körperliche Größe der Bücher greifbar. Die Blätter messen durchschnittlich etwa 7,5 mal 30 Zoll; rote und gelbe Stoffe umhüllen sie, bemalte Kiefernbretter schützen die Bände. Laut Bibliothekskatalog schenkte die Familie Horch den Satz 1955 Columbia; zuvor hatte sie ihn während Nicholas Roerichs Zentralasien-Expedition von 1925 bis 1928 erworben. Druckstock, bedrucktes Blatt und gebundener Foliant bewahren verschiedene Etappen derselben Tradition. In Narthang ermöglichten die Stöcke wiederholtes Drucken; der erhaltene Satz zeigt das gedruckte Buch als gewichtigen Gegenstand zum Aufbewahren, Tragen und Lesen.

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Bildquellen und Bildrechte
  1. Historische Aufnahme der Regale mit Druckstöcken im Kloster Natang, fotografiert 1948 von Arthur Hopkinson (Tibet Album; Pitt-Rivers-Museum, Datensatz BMH.M.71.1). Die Commons-Datei ist als gemeinfrei gekennzeichnet.Arthur Hopkinson · Public domain (Wikimedia Commons file metadata; jurisdiction caveat noted on file page) Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗