Aus dem Journal

Gyantse-Kadjan: Von Wolle zum Flor

Ein Bericht aus dem Jahr 2015 zeigt, wie Wolle in Gyantse durch Kämmen, Spinnen, Färben, Weben und Scheren zum Teppich wird.

In derselben Stadt · Shigatse ↗
Archivaufnahme des Teppichwebens in Gyantse aus dem Jahr 1938; der Katalog des Bundesarchivs nennt eine Weberei in Pala.
Archivaufnahme des Teppichwebens in Gyantse aus dem Jahr 1938; der Katalog des Bundesarchivs nennt eine Weberei in Pala.

Eine Weberin arbeitet auf dem Boden

Ein Bericht aus dem Jahr 2015 über die Teppichfabrik in Gyantse beschreibt Basang beim Weben eines Kadjan auf dem Boden. Farbige Wollfäden liegen neben ihr; nach jeder Reihe schlägt sie die Fäden mit einem kleinen Holz- oder Eisenwerkzeug fest. So wächst die Teppichfläche Reihe für Reihe durch das Zusammenspiel von Händen, Garn und Werkzeug. Basang hatte das Handwerk mit dreizehn Jahren zu Hause von ihren Eltern gelernt und bis zum Bericht acht Lehrlinge ausgebildet. Ihre Geschichte verbindet häusliche Weitergabe mit der Arbeit in der Fabrik, bleibt aber die Erfahrung einer einzelnen Weberin.

Eine Folge von Arbeitsschritten

Der Bericht listet die Schritte der Handarbeit auf: Wolle kämmen, Garn spinnen, färben, aufwickeln, von Hand weben, den Flor scheren und den Teppich waschen. Jeder Schritt bereitet das Material für den nächsten vor. Beim Kämmen werden die Fasern geordnet, beim Spinnen entsteht ein durchgehender Faden, die Färbung bringt Farbe ein und das Aufwickeln macht das Garn für den Webstuhl bereit. Das Weben baut das Muster Reihe für Reihe auf; das Scheren gleicht die Oberfläche aus, das Waschen schließt die Arbeit ab. Hinter dem regelmäßigen Muster eines Kadjan stehen viele verschiedene Tätigkeiten. „Handarbeit“ bezeichnet hier eine Folge eigener Arbeitsschritte und nicht nur den Moment am Webstuhl.

Musterlesen gemeinsam lernen

Der Artikel berichtet auch von der neunzehnjährigen Lehrling Pubu Zhuoma. Sie wickelt Garn auf und blickt dabei auf ein komplexes Muster. Sie erzählt, dass sie seit drei Jahren lernt, sich aber noch nicht allein ans Weben wagt; ihr Meister ist in der Nähe, wenn Fragen auftauchen. Musterlesen und Farbwahl werden zusammen mit den Bewegungen der Hände erlernt. Ein Muster wird nicht einfach von einer Vorlage kopiert: Die Lernende verbindet seine Formen mit dem vorbereiteten Garn und dem nächsten Handgriff. Der Bericht hält die Werkstatt und ihre Beschäftigten im Jahr 2015 fest. Seine Szenen zeigen, wie das Handwerk durch Beobachten, Korrigieren und gemeinsames Arbeiten weitergegeben wird.

Weiterentdecken · Gyantse Kadian Carpets ↗
Bildquellen und Bildrechte
  1. Archivaufnahme des Teppichwebens in Gyantse aus dem Jahr 1938; der Katalog des Bundesarchivs nennt eine Weberei in Pala.Beger, Bruno · CC BY-SA 3.0 de Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗