Aus dem Journal

Weißes Porzellan aus Dehua: Ein genauer Blick an den Ursprung

Von den Kammern eines Brennofens bis zu den Fingerspitzen einer Porzellanfigur zeigt Dehua die materiellen und menschlichen Entscheidungen hinter Blanc de Chine.

In derselben Stadt · Quanzhou ↗

Weiß gibt dem Auge mehr zu tun

Eine weiße Porzellanfigur kann nahezu farblos erscheinen, bis Licht auf eine Falte, eine Fingerspitze oder den Rand eines Ärmels trifft. Dann wird ihre Oberfläche zur Schattenlandschaft. Dehuas berühmte weiße Keramik belohnt dieses genaue Hinsehen: Die Form trägt einen großen Teil jenes Ausdrucks, den sonst vielleicht eine bemalte Oberfläche vermitteln würde.

Dehua ist ein Kreis im Binnenland von Quanzhou, kein Viertel am Hafen. Der Name bezeichnet sowohl eine lange Keramiktradition als auch einen Ort heutiger Herstellung. Die französische Bezeichnung Blanc de Chine, „Weiß aus China“, ist für sein weißes Porzellan weithin gebräuchlich. Ein einzelnes Objekt ist oft der beste Ausgangspunkt, um den größeren Ruf zu verstehen. Interessant ist, wie Ton etwas andeuten kann, das ihm selbst nicht ähnelt: Stoff, ein Blütenblatt oder eine ruhende Hand.

Vor der berühmten Figur stand eine Exportindustrie

Der Welterbestandteil umfasst bestimmte Brennofenstätten in Dehua, darunter Weilin-Neiban und Qudougong, nicht den gesamten Kreis oder jede heutige Werkstatt. Zur Produktion der Song- und Yuan-Zeit gehörten weiße und bläulich weiße Waren in Gebrauchsformen wie Schalen, Flaschen und Ausgießgefäßen. Die städtische Kulturerbevermittlung zeichnet ihren Weg über Land nach Yongchun und anschließend auf dem Wasser zum Hafen von Quanzhou nach.

Der ausgegrabene Ofen der Yuan-Zeit in Qudougong besaß eine Reihe von Kammern, die einen Hang hinaufführte. Diese Konstruktion lenkt den Blick vom fertigen Gegenstand zur Organisation von Hitze und Produktion. Eine Schale gelangt als kompaktes Ding ins Museum oder in einen Haushalt; der Ort, an dem sie gebrannt wurde, kann einen Berghang einnehmen. Der Gegensatz macht den industriellen Maßstab sichtbar. Viele gleichartige kleine Gefäße gehörten zu einem bedeutenden System der Herstellung und Warenbewegung.

Eine gestufte archäologische Erdfläche liegt unter Bäumen am Hang.
Eine Brennofenstätte am Hang innerhalb der Dehua-Brennofengruppe.
Ein langer ausgegrabener Brennofen liegt unter einem heutigen Dach auf roten Säulen.
Überdachte Brennofenreste in der Dehua-Welterbegruppe.

Eine Form ersetzt die Hand nicht

Das Victoria and Albert Museum beschreibt die Figurenherstellung in Dehua mit mehrteiligen Formen: Ton wird in Teilformen gedrückt, um den Körper zu bilden, während Details separat modelliert oder geformt und anschließend angesetzt werden können. So wird verständlich, wie wiederholbare Gestalt und individuelle Fertigbearbeitung zusammenkommen. Eine Form kann die Figur anlegen; Verbindungen, Oberfläche und ergänzte Details verlangen weiterhin fachkundiges Urteil.

Der fertige Gegenstand verbirgt viel von dieser Abfolge. Interessant ist, wo Teile zusammentreffen und wie ein zarter Vorsprung als Teil eines stimmigen Ganzen bestehen bleibt. Es geht nicht einfach darum, ob ein Werk handgemacht oder in Serie hergestellt wurde; im tatsächlichen Werkstattprozess können sich diese Kategorien überschneiden. Ein überzeugender Ärmel oder eine fein geformte Hand hält Entscheidungen aus mehreren Arbeitsschritten fest. Die durchgehende weiße Oberfläche lässt das Ergebnis mühelos wirken, obwohl es eine Kette materieller Veränderungen vereint.

Ein altes Motiv, anhaltende Möglichkeiten

Guanyin, die im Buddhismus mit Mitgefühl verbundene Bodhisattva-Gestalt, ist ein wichtiges Motiv des Dehua-Porzellans. Ein hilfreiches Vergleichsstück ist die „Guanyin im weißen Gewand“ aus dem 18. Jahrhundert im Metropolitan Museum of Art, eine eindrucksvolle weiß glasierte Figur in dessen New Yorker Sammlung. Sie dient als Bezugspunkt zum Verständnis des Handwerks, nicht als Objekt, das man in Dehua erwarten sollte.

Zum keramischen Leben des Kreises gehören auch industrielle Fertigung und zeitgenössische Kunst. Die Darstellung des V&A stellt lebende Kunstschaffende neben historische Meister und zeigt, wie Porzellan Material für Experimente ebenso wie Träger etablierter Formen bleiben kann. Am Herkunftsort gehören diese unterschiedlichen Produktionsweisen in ein gemeinsames großes Bild. Ein Ofen erklärt den Maßstab, eine Form die Wiederholung, ein kleines fertiges Detail das Urteil. Weißes Porzellan erscheint dann weniger als geheimnisvoller Stoff denn als sichtbares Ergebnis vieler zusammenhängender Entscheidungen.

Weiterentdecken · Kreis Dehua ↗
Bildquellen und Bildrechte
  1. Eine Brennofenstätte am Hang innerhalb der Dehua-Brennofengruppe.泉州市人民政府美食之都申创官方网站 · Rechtestatus nicht geklärt Quelle des Fotos ↗ Originales Seitenverhältnis beibehalten. Anzeigekopien nur bei Bedarf verkleinert; keine Vergrößerung, kein Beschnitt und keine Retusche.
  2. Überdachte Brennofenreste in der Dehua-Welterbegruppe.泉州市人民政府美食之都申创官方网站 · Rechtestatus nicht geklärt Quelle des Fotos ↗ Originales Seitenverhältnis beibehalten. Anzeigekopien nur bei Bedarf verkleinert; keine Vergrößerung, kein Beschnitt und keine Retusche.