Aus dem Journal

Jeholornis: Wenn Samen auf Früchte hinweisen

Ein digital wieder zusammengesetzter Schädel und Vergleiche mit lebenden Vögeln veränderten die Deutung der Nahrung eines frühen Vogels.

Ein zerdrückter Schädel in drei Dimensionen

Das Jeholornis-Exemplar STM3–8 bewahrt einen weitgehend im Verband erhaltenen Schädel, im Gestein zusammengedrückt und mit einigen verlagerten Knochen. Forschende nutzten das Australian Synchrotron, um die Knochen abzubilden und ihre Anordnung digital zu rekonstruieren. Der Instrumentenwissenschaftler Joseph Bevitt unterstützte die Arbeit.

Das Exemplar stammt aus Dapingfang im Bezirk Longcheng der Region Chaoyang, aus der etwa 120 Millionen Jahre alten Jiufotang-Formation. Es gehört dem Naturmuseum Shandong Tianyu in Pingyi und nicht einem Museum am Fundort. Die Rekonstruktion brachte ein Liaoning-Fossil aus einer Shandonger Sammlung in ein internationales Bildgebungsprojekt.

Ein Samen ist keine Speisekarte

Samen hatten die Deutung von Jeholornis als Samenfresser begünstigt. Ein Vogel kann aber einen Samen verschlucken, während er das fleischige Material darum frisst. Er kann einen Samen auch im Schnabel knacken oder nach dem Schlucken zermahlen. Diese Verhaltensweisen hinterlassen unterschiedliche Spuren.

In der von Han Hu geleiteten Studie von 2022 wurde der rekonstruierte Schädel mit heutigen Vögeln unterschiedlicher Ernährungsgruppen verglichen. Seine Form passte nicht zum zuvor angenommenen kräftigen Apparat zum Samenknacken. Schädelgestalt allein konnte jedoch nicht jede Alternative entscheiden. Das Team untersuchte auch, wie der Bauchinhalt heutiger Vögel in bildgebenden Verfahren aussieht.

Ganze Samen und getrennte Steine

Veröffentlichte Jeholornis-Exemplare bewahrten unversehrte Samen ohne die beim Zermahlen erwarteten Schäden. Andere Exemplare enthielten Gastrolithen, verschluckte Steine, die mit der Verdauungsverarbeitung verbunden sind. Die Studie fand sie jedoch nicht zusammen mit den Samenansammlungen. Diese Kombination stützte zumindest saisonalen Fruchtverzehr und die Nutzung anderer Nahrung zu anderen Zeiten.

Der Vergleich griff auf mehrere Fossilien zurück: STM3–8 lieferte den rekonstruierten Schädel, andere nummerierte Exemplare bewahrten Samen oder Gastrolithansammlungen. Anatomische Form und Zustand des Bauchinhalts trugen unabhängig voneinander zur Ernährungsdeutung bei.

Was Frucht hier bedeutet

Die Veröffentlichung verwendet „Frucht“ in einem weiten ökologischen Sinn, der fleischige Hüllen um Nacktsamer-Samen ebenso einschließt wie Früchte von Blütenpflanzen. Diese Definition verbindet die Ernährungsdeutung mit den samentragenden Pflanzen der frühen Kreidezeit.

Sie deutet auch eine Möglichkeit jenseits der Ernährung an. Wenn Samen den Durchgang durch den Vogel überstanden, könnten Bewegung und Ausscheidung zur Pflanzenverbreitung beigetragen haben. Samenverbreitung bleibt eine mögliche Folge des erschlossenen Fressverhaltens. Es entsteht das Bild eines langschwänzigen frühen Vogels in Wechselwirkung mit Pflanzen, mit saisonal verfügbarer Nahrung statt einer einzigen ausschließlichen Ernährungsweise für sein ganzes Leben.

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