Aus dem Journal

Nanyin aus Quanzhou zum ersten Mal hören

Eine waagerecht gehaltene Laute, eine Bambusflöte und eine sorgfältig geformte Stimme eröffnen den Zugang zu Nanyin, der gemeinsamen Musiktradition der Minnan-Gemeinschaften.

Die musikalische Phrase braucht ihre Zeit

Die erste Umstellung ist klein: Man sollte nicht darauf warten, dass die Musik schneller wird. Im Nanyin kann eine Phrase im Raum zwischen Atem, gezupfter Saite und nächster Silbe zu schweben scheinen. Statt sofort nach einer Melodie zum Mitsummen zu suchen, lohnt es sich wahrzunehmen, wie ein Ton beginnt und ausklingen darf. Pausen und gehaltene Töne gehören zur Begegnung; sie sind keine leeren Strecken auf dem Weg zu einem Höhepunkt.

Nanyin gehört zu Minnan, dem Kultur- und Sprachraum im südlichen Fujian, zu dessen wichtigen Zentren Quanzhou zählt. Der Name wird häufig als „südliche Musik“ wiedergegeben. Hier bezeichnet er eine bestimmte Tradition mit eigenen Instrumenten, einem Repertoire und Gesangsweisen, die auch bei unvertrauten Worten aufmerksames Zuhören belohnen. Jeden Liedtext zu verstehen ist eine mögliche Freude, aber nicht der einzige Zugang.

Sitzende Musiker spielen auf einer sanft beleuchteten Innenbühne; im Vordergrund stehen Tische und Stühle.
Nanyin-Musiker in einem Teehaus, abgebildet auf dem offiziellen Tourismusportal von Quanzhou.

Die Instrumente erzählen schon vor dem ersten Ton

Zunächst fallen die Pipa, eine waagerecht gehaltene Zupflaute, und die Dongxiao, eine lange Bambusflöte, auf. Im Kernensemble, wie es Chinas nationales Kulturerbeverzeichnis beschreibt, kommen die dreisaitige Zupflaute Sanxian und das Streichinstrument Erxian hinzu; die singende Person hält Holzklappern. Verschiedene Arten der Klangerzeugung stehen nebeneinander: Blasen, Zupfen, Streichen und ein geschlagener Takt.

Beim ersten Hören kann man eine kurze Passage lang einer dieser Klangqualitäten folgen und dann wieder das gesamte Ensemble wahrnehmen. Ein gezupfter Ton hat einen hörbar markierten Anfang; ein durch Atem getragener Ton kann sich anders entfalten. Auf diese Weise wirkt das Ensemble weniger wie eine einzige unvertraute Klangfläche und eher wie ein Austausch erkennbarer Handlungen. Wo die Situation es erlaubt, lassen sich Hände und Atem beobachten. Größere sichtbare Bewegungen bedeuten dabei nicht automatisch einen wichtigeren musikalischen Part.

Worte leben im Klang

Das Nanyin-Repertoire umfasst drei große Kategorien. Zhi sind zusammenhängende Suiten mit Worten, Notation und Angaben zum Fingersatz der Pipa. Pu sind Instrumentalsuiten ohne Liedtext; ihre Titel können Blumen, Vögel oder Jahreszeiten aufrufen. Qu sind einzelne Gesangsstücke mit Begleitung der Hauptinstrumente, die häufig Geschichten aus älterem Theater und Literatur aufgreifen. Eine Konzertauswahl gehört somit zu einer größeren musikalischen Welt, in der Gesang, Instrumentalklang und Erzählung unterschiedliche Beziehungen eingehen.

Gesungen wird in der Sprachtradition Quanzhous, mit besonderer Sorgfalt für Formung und Ausklang der Silben. Auch ohne Übersetzung kann die Stimme die Aufmerksamkeit auf die körperliche Arbeit des Artikulierens lenken. Enthält das Programm eine Zusammenfassung der Geschichte oder des Liedtextes, hilft die Lektüre vor dem Stück; danach kann die Aufmerksamkeit wieder ganz der Aufführung gelten. Wenige Zeilen Hintergrund entlasten das Ohr vom Versuch, während des Singens jedes Wort zu entschlüsseln.

Eine Tradition lebt im Miteinander

2009 nahm die UNESCO Nanyin in ihre Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Sein gesellschaftliches Leben reicht über die formelle Bühne hinaus zu Zusammenkünften und Vereinigungen, über Fujian hinaus zu Minnan-Gemeinschaften in Übersee. Die Musik wandert mit Menschen, die gemeinsam üben, ein geteiltes Repertoire lernen und immer neue Anlässe finden, es aufzuführen.

Das ist eine andere Form von Kontinuität als das Erhalten eines Steinbaus. Sie beruht auf immer neuen Entscheidungen, zuzuhören, zu proben und zu unterrichten. Ein ausgefeiltes Konzert und ein Treffen in der Gemeinschaft können unterschiedliche Einblicke in dieselbe große Tradition geben; keines muss für das Ganze stehen. Für eine erste Begegnung reicht ein kleiner Anfang: die waagerechte Laute erkennen, die Formung einer Phrase verfolgen und bemerken, wie die Musizierenden zusammenbleiben. So wird Stadtgeschichte durch Zeit und Klang erfahrbar statt durch das Datum eines Denkmals.

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Bildquellen und Bildrechte
  1. Nanyin-Musiker in einem Teehaus, abgebildet auf dem offiziellen Tourismusportal von Quanzhou.泉州市人民政府旅游栏目 · Rechtestatus nicht geklärt Quelle des Fotos ↗ Originales Seitenverhältnis beibehalten. Anzeigekopien nur bei Bedarf verkleinert; keine Vergrößerung, kein Beschnitt und keine Retusche.