Die erste Umstellung ist klein: Man sollte nicht darauf warten, dass die Musik schneller wird. Im Nanyin kann eine Phrase im Raum zwischen Atem, gezupfter Saite und nächster Silbe zu schweben scheinen. Statt sofort nach einer Melodie zum Mitsummen zu suchen, lohnt es sich wahrzunehmen, wie ein Ton beginnt und ausklingen darf. Pausen und gehaltene Töne gehören zur Begegnung; sie sind keine leeren Strecken auf dem Weg zu einem Höhepunkt.
Nanyin gehört zu Minnan, dem Kultur- und Sprachraum im südlichen Fujian, zu dessen wichtigen Zentren Quanzhou zählt. Der Name wird häufig als „südliche Musik“ wiedergegeben. Hier bezeichnet er eine bestimmte Tradition mit eigenen Instrumenten, einem Repertoire und Gesangsweisen, die auch bei unvertrauten Worten aufmerksames Zuhören belohnen. Jeden Liedtext zu verstehen ist eine mögliche Freude, aber nicht der einzige Zugang.
