Aus dem Journal

Vier Karten in einer Werkstatt

Im Dorf Altun (Gemeinde Huicheng) singt eine Hami-Muqam-Überlieferin im Livestream aus einer Erbwerkstatt: eine Strophe, dann eine bestickte Tasche. Die Gemeinde nennt Muqam, Stickerei, Bauernmalerei und Kürbisschnitzerei ihre vier Karten.

Eine Werkstatt, ein Telefon, ein Lied

Am 10. Mai 2023 betrat ein Reporter die Erbwerkstatt im Dorf Altun (Gemeinde Huicheng, Stadt Hami). Aus dem hinteren Raum kam Gesang. Minawar Abudu, die die Werkstatt leitet, erklärte: Ayixiamu Aimeti, städtische Muqam-Überlieferin, verkaufte im Livestream. Sie sang eine Strophe, hob eine bestickte Tasche und ließ das Publikum 1 für das Lied oder 2 für das Produkt tippen.

Die Szene lohnt sich ganz. Das Lied ist nicht für den Saal gedacht, es eröffnet einen Verkauf; die Tasche ist kein Requisit, sondern das, was die Werkstatt verkauft. Keine Hälfte schmückt die andere.

Die vier Karten

Die Gemeinde nennt vier Dinge ihre kulturellen Karten: Muqam, Stickerei, Bauernmalerei und Kürbisschnitzerei. Das Wort ist lokal und brauchbar: Es stellt eine Gesangskunst neben drei kaufbare Handwerke, ohne sie zu rangieren.

Altun wurde im Dezember 2008 in die vierte Liste nationaler historischer und kultureller Dörfer aufgenommen, und die Stadt führt es als Dorf für Landtourismus. Die Werkstatt liegt in diesem Rahmen — darum teilen Sängerin und Kasse einen Raum.

Was das Etikett sagt

Im Bericht sagt Ayixiamu, sie singe die Zwölf Muqam. Anderswo wird dasselbe Repertoire nach Regionen geteilt, und Hami gilt als eigener Zweig. Das sind nicht dieselben Aussagen, und der Artikel trennt sie: belegt sind hier ein Auftritt in einer Werkstatt und der lokale Name.

Zur Einordnung selbst siehe den Kaschgar-Essay in diesem Journal. Huicheng fügt den Rahmen hinzu: Überlieferung geschieht jetzt in Räumen, die auch verkaufen, vor einem Telefon, in einem Dorf, das vom Tourismus leben soll.

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