Aus dem Journal

Xujiahui: Bücherregale, Turmspitzen und zwei Orte des Zusammenkommens

In Xujiahui verleihen hohe Bücherregale und neugotische Turmspitzen zwei benachbarten Wahrzeichen unterschiedliche Formen: Das eine ist auf Lesen und Sammlungen ausgerichtet, das andere auf den Gottesdienst.

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Bücher und Glaube in einem sich wandelnden Viertel

In Xujiahui stehen Bücherregale und Kirchtürme in einem Viertel, das durch Begegnungen zwischen chinesischer und westlicher Bildung geprägt wurde. Die historische Bibliotheca entwickelte sich aus einer 1847 gegründeten Institution; in der Nähe wurde die St.-Ignatius-Kathedrale zu einem wichtigen Zentrum des katholischen Lebens. Ihre räumliche Nähe bildet ein eindrucksvolles Paar, doch ihre Architektur geht auf unterschiedliche Aufgaben zurück: Das eine Gebäude bewahrt und ordnet Texte, das andere versammelt eine Gemeinde zum Gottesdienst.

Diese Aufgaben zeigen sich in den Gebäuden selbst. Die Bibliothek richtet sich nach innen, auf Räume, Regale und Suchsysteme. Die Kathedrale öffnet sich zu einem hohen gemeinsamen Kirchenschiff; Grundriss und Schmuck lenken den Blick zum Altarraum. Gemeinsam erschließen sie Xujiahuis Kulturgeschichte durch zwei bauliche Formen: Die eine lässt sich an der Reichweite ihrer Bücherregale messen, die andere an der Höhe ihrer Turmspitzen.

Ein Haus, das um Bücher herum gestaltet ist

Die historische Bibliotheca entwickelte sich zu einem nördlichen und einem südlichen Gebäudeteil. Im südlichen war zuvor eine Jesuitenresidenz untergebracht; der nördliche Bau, 1897 als Hauptbibliothek fertiggestellt, verbindet Ziegel- und Holzbauweise mit einem Satteldach, Pilastern europäischer Prägung und spitzbogigen Fensterrahmungen. Seine Struktur war auf die Aufbewahrung und Nutzung von Büchern ausgerichtet.

Der vom Bezirk dokumentierten Anordnung zufolge befanden sich im Obergeschoss Bücher in westlichen Sprachen auf bis zur Decke reichenden Regalen; eine Galerie zwischen den Ebenen ermöglichte den Zugang. Im Erdgeschoss standen chinesische Bücher, geordnet nach den traditionellen Gruppen Klassiker, Geschichte, Philosophie, schöne Literatur und Sammelwerke. Unter einem Dach bewegte sich der Leser zwischen zwei Sammlungen und zwei Ordnungssystemen. Die hohen Regale und die verbindende Galerie machten die Aufbewahrung zum sichtbaren Teil der Raumarchitektur.

Eine Kirche für eine versammelte Gemeinde

In der Nähe erhebt sich die St.-Ignatius-Kathedrale aus rotem Ziegel. Ihre beiden Turmspitzen und spitzbogigen Öffnungen geben dem Viertel einen anderen vertikalen Rhythmus. Der Grundriss verbindet lateinisches Kreuz und Basilika: ein Mittelschiff mit seitlichen Bereichen sowie hoch in der Fassade angeordnete Rosettenfenster. Im Inneren tragen Reihen von Steinsäulen den hohen Raum, während die Mittelachse zum Altarraum führt. Die gemeinschaftliche Dimension wird in der versammelten Gemeinde unter dem Kirchenschiff spürbar.

Die Kathedrale wurde vom späten 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert errichtet und 1910 fertiggestellt; sie spiegelt die französische Neugotik ihrer Zeit wider. Neben der Bibliotheca bildet ihre Gestalt einen lebhaften Gegenpol zu den gestaffelten Bücherzimmern der Bibliothek. Das eine Gebäude führt Leser zwischen Regalen und Galerien; das andere versammelt Gläubige im hohen Kirchenschiff unter den Turmspitzen. Ihre Nachbarschaft gibt Xujiahui ein besonderes architektonisches Bild von Bildung und Glauben.

Xujiahui — Gebäudefassade
Xujiahui — Gebäudefassade
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Bildquellen und Bildrechte
  1. Xujiahui — GebäudefassadeShanghai Municipal Government; photographer not specified · Nutzungsrechte nicht angegeben Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗ Verkleinert und ohne Beschnitt in WebP umgewandelt. Animierte Originale werden als Standbild gezeigt.