Aus dem Journal

Zwei Wanderungen aus Shuanghu

Die Erinnerungen des Hirten Dawa Tsering verbinden den Umzug nach Shuanghu in den 1970er-Jahren mit dem Wegzug nach Süden 2019: erst auf der Suche nach Weideland, später nach einem milderen Zuhause für die nächste Generation.

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Von Shenzha nach Norden

Dawa erinnert sich, dass die Gemeinde Gacuo damals zum Kreis Shenzha gehörte. Im Winter um 1976 machten sich Hirtenfamilien auf den Weg nach Norden nach Shuanghu; Hausrat wurde auf Yaks geladen, die Gruppen zogen etappenweise. Bis der Umzug abgeschlossen war, vergingen drei Jahre. Der ursprüngliche praktische Grund war, Weideland zu erweitern. Dawa erinnert sich auch an die Kraft des Ortes: Starker Wind konnte ganze Schafherden in Richtung Salzsee treiben; im Winter riss er sogar die robuste örtliche Grasart, im Bericht „Boru“ genannt, mitsamt den Wurzeln aus. Das ist die Erinnerung eines Mannes, keine vollständige Geschichte aller Familien, die Shuanghu besiedelten. Durch Vieh, Wetter und den langen Aufbau eines neuen Zuhauses wird die Migration greifbar.

Gemüseanbau lernen

1982 fuhr Dawa in den Kreis Lhünzhub, um den Gemüseanbau in Gewächshäusern zu lernen. Er erinnert sich, nachts in der Ferne die Lichter Lhasas gesehen und gehofft zu haben, dass auch Hirten eines Tages Strom nutzen könnten. Später entstanden in Gacuo drei Gewächshäuser, in denen das dort Gelernte angewandt wurde. Dem Interview zufolge konnten Kohlköpfe fünf bis sechs Jin wiegen; viele Hirten probierten zum ersten Mal frisches Gemüse. Die kleine Episode zeigt, wie ein außerhalb erlerntes Wissen als lokaler Versuch zurückkehrte – geprägt von einer kurzen Wachstumszeit und der täglichen Arbeit im Gewächshaus.

Der zweite Umzug nach Süden

2017 wurde ein neues Programm zur ökologischen Umsiedlung vorgeschlagen. Dawa sagte, er habe wegen des rauen Klimas von Shuanghu und im Interesse der jüngeren Generation zugestimmt. Ende 2019 zog die Familie aus dem über 5.000 Meter hoch gelegenen Shuanghu nach Senburi im Kreis Gonggar, Shannan, auf etwa 3.600 Meter. Die Familie erhielt ein 150 Quadratmeter großes tibetisches Hofhaus von der Regierung. Die Verbindung zu Shuanghu blieb bestehen: Seine Frau und einige Kinder hüten dort weiter Vieh der Genossenschaft, während der jüngste Sohn in Shannan Arbeit fand. Dawa bezeichnete die Genossenschaft als Haupteinnahmequelle und berichtete von einer Barausschüttung von 78.000 Yuan im Jahr 2024 sowie Yakfleisch und Butter.

Ein Alltag rund um die Kinder

Als der Reporter im August 2025 zu Besuch kam, lebte Dawa in Senburi und brachte täglich drei Enkelkinder zur Schule und holte sie wieder ab. Der Bericht beschreibt Schulen, einen Kindergarten, Geschäfte, ein Teehaus und eine Bank in der Siedlung. Dawa hofft, dass jemand aus der jüngsten Generation studieren wird. Die Geschichte entscheidet nicht für alle Hirten, wo sie leben sollten. Sie begleitet eine Familie, die bei zwei Umzügen Weideland, Klima, Bildung und Arbeit neu abwog. Shuanghu bleibt Teil ihres Einkommens und ihrer Erinnerung; in Senburi spielt sich nun der Alltag der jüngeren Generation ab.

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