Aus dem Journal

Die Halle, die fünfzehn Zentimeter wanderte

Ein Liao-Tempel von 984, ein nirgends überlieferter Tang-Anfang und was das Tangshan-Erdbeben von 1976 mit einer sechzehn Meter hohen Tonfigur anrichtete.

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Ein Tempel älter als sein Wiederaufbau

Das Erste, was man am Dule-Tempel trifft, ist nicht der Tempel, sondern sein Tor. Das Shanmen ist ein einziges Geschoss aus dunklem Holz unter einem breiten Ziegeldach, und zusammen mit dem dahinter liegenden Guanyin-Pavillon ist es der älteste Bau, der an Ort und Stelle noch steht. Beide wurden im zweiten Jahr der Tonghe-Ära der Liao-Dynastie neu errichtet, 984. Der Tempel selbst ist älter als dieses Datum, und sein Anfang ist nirgends überliefert; die Gründung wird mindestens bis in die frühe Tang-Zeit zurückverlegt. Liang Sicheng vertrat 1932 die Ansicht, die Proportionen des Tors glichen den Tang-Bauten auf den Wandbildern von Dunhuang.

Dule-Tempel
Dule-Tempel
Dule-Tempel
Dule-Tempel

An Lushan und die Kaserne

755 hielt der General An Lushan eine Versammlung im Dule-Tempel ab. Sie war der Auftakt seines Aufstands gegen den Tang-Kaiser, und dass er diesen Hof wählte, sagt etwas darüber, wie der Ort an der Straße nach Norden lag. Elf Jahrhunderte später wurde der Tempel erneut genutzt, weit weniger feierlich: 1928 lag eine Einheit Soldaten unter dem Kriegsherrn Sun Dianying hier und machte die Haupthalle zur Kaserne. Zwischen diesen beiden Ereignissen hielten sich die Bauten aus eigener Kraft. Anfang der 1930er Jahre kamen der japanische Gelehrte Sekino und Liang Sicheng, der die erste moderne Geschichte der chinesischen Architektur schrieb, um sie zu untersuchen.

Was das Erdbeben maß

Am 28. Juli 1976 erreichte das Tangshan-Erdbeben Jizhou. Teile der Weißen Pagode, die einst zum Tempel gehörte, stürzten ein, Mauern fielen, und die Verkleidung des Guanyin-Pavillons löste sich. Was mit der großen Tonfigur im Inneren geschah, wurde danach gemessen: die Spitze der Guanyin hatte sich, 16,08 Meter über dem Hallenboden, um etwa fünfzehn Zentimeter nach Südwesten verschoben. Eine Restaurierung legte zudem Wandmalereien an den Innenwänden der Halle frei, die jahrhundertelang verborgen gewesen waren. Liang Sicheng hatte 1966 Blitzableiter, Türen und Fenster für den Tempel vorgeschlagen; nach 1976 wurde das Verhalten dieser Holzgerüste bei Erdbeben ein eigenes Forschungsgebiet.

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Bildquellen und Bildrechte
  1. Dule-TempelRolfmueller / CC BY-SA 3.0 · CC BY-SA 3.0 Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗
  2. Dule-TempelXin / CC BY-SA 4.0 · CC BY-SA 4.0 Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗