Aus dem Journal

Funde aus den Pagoden und die buddhistischen Welten von Nanzhao und Dali

Eine kleine, mit Perlen besetzte Garuda-Figur aus der Qianxun-Pagode eröffnet Einblicke in buddhistische Bildwelten, Metallhandwerk und die größere Fundgruppe aus den Türmen.

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Eine kleine Figur in der verborgenen Kammer des Turms

Bei Reparaturen an den Drei Pagoden fanden Arbeiter 1978 im Sockelbereich an der Spitze der Qianxun-Pagode eine silbervergoldete, mit Perlen besetzte Garuda-Figur. Sie ist nur 18,5 Zentimeter hoch und wiegt 125 Gramm. Ihre Einzelheiten erzählen dennoch eine größere religiöse und künstlerische Geschichte: ein Kopf mit Federkrone, ausgebreitete Flügel, ein flammenförmiger Heiligenschein und Füße auf einem Lotussockel. Heute wird das Stück im Provinzmuseum Yunnan aufbewahrt.

Der Fund gehörte zu einer weit umfangreicheren Gruppe. Nach Angaben der Denkmalverwaltung der Stadt Dali kamen während der Reparaturarbeiten von 1978 bis 1981 mehr als 680 Objekte aus der Zeit der Königreiche Nanzhao und Dali ans Licht. Die Garuda-Figur ist ein einzelner, benannter Fund aus diesem Zusammenhang und steht nicht für alles, was entdeckt wurde. Gerade ihre geringe Größe bietet einen guten Einstieg in die materielle Welt, die in den Türmen erhalten blieb.

Ein Bild aus einzelnen Teilen zusammengesetzt

Der Vogel wurde nicht in einem einzigen Guss hergestellt. Ein Fachmann des Yunnan-Museums beschreibt Kopf, Flügel, Körper, Schwanz und Füße als einzeln gegossene Teile, die anschließend graviert, verlötet und vergoldet wurden. In den Heiligenschein hinter der Figur waren ursprünglich fünf Kristallperlen eingesetzt. Der Fachmann betont, dass das Objekt in seinem Fundzustand erhalten blieb; verlorene Verzierungen wurden nicht nachträglich ergänzt.

Die Herstellung erklärt, warum der Vogel zugleich kompakt und detailreich wirkt. Federn bedecken den Körper, der Kopf trägt eine Krone, und die Flügel vermitteln Bewegung. Silber, Vergoldung und Kristall bündeln handwerkliches Können in einem kleinen Ritualobjekt. Der Museumsbericht vergleicht die Kronenform außerdem mit Formen aus der Jadebildhauerei der Song-Zeit. So entsteht ein Vergleich zwischen Dali und weiter östlich gelegenen Kunsttraditionen.

Garuda, Schutz und unterschiedliche Deutungen

In buddhistischen Traditionen ist Garuda ein mächtiges Vogelwesen und gehört zur schützenden Gruppe der Acht Klassen von Devas und Nāgas. Ein Beitrag des Kulturministeriums Yunnans gibt eine örtliche Erzählung wieder, nach der der Vogel Drachen verschlingt und Dali vor Überschwemmungen schützen konnte. Zugleich zitiert er einen Museumsexperten mit einer anderen Deutung: Die Figur könnte als Reittier eines Weltenherrschers in der buddhistischen Kosmologie gedient haben.

Beide Lesarten gehören zur Deutungsgeschichte; allein am Objekt lässt sich nicht entscheiden, welche zutrifft. Dass der Vogel hoch oben in der Pagode stand, verbindet ihn mit religiösen Vorstellungen und der Architektur des Turms. Heute wird er in einer Museumssammlung bewahrt, wo Konservierung und Ausstellung seine handwerkliche Gestaltung neuen Besuchern zugänglich machen. Ein Gegenstand kann mehrere Geschichten zugleich tragen: als Ritualbild, als Zeugnis des Metallhandwerks und als Teil eines modernen Museums.

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