Aus dem Journal

Der Kumbum als Welt aus vielen Räumen

Im Pelkor-Chöde-Kloster von Gyantse vereint der Kumbum 73 Kapellen, Wandmalereien und Umgänge auf acht Geschossen.

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Ein Turm, der sich in Räume öffnet

Von außen wirkt der Kumbum wie ein einzelner, stufenförmiger Bau innerhalb der Klosteranlage Pelkor Chöde. Die Studie von Shengnan Dong für das Rubin Museum of Himalayan Art beschreibt jedoch 73 Kapellen, die sich über acht Geschosse verteilen. Wer hinaufgeht, trifft nicht immer wieder auf dieselbe kleine Gebetskammer, sondern auf eine geordnete Folge unterschiedlicher heiliger Räume. Der Name Kumbum wird oft mit „hunderttausend Bildern“ wiedergegeben. Die tatsächliche Zahl der Kapellen ist geringer, doch der Name vermittelt den Anspruch, den Bau mit Bildern zu erfüllen. Dong verbindet ihre Anordnung mit einem Programm tantrisch-buddhistischen Wissens. Man muss daher sowohl die Gesamtform als auch die einzelnen Räume betrachten: Die Silhouette macht den Bau zum Orientierungspunkt im Tal von Gyantse, während jede Kapelle eigenen Bildern Raum gibt.

Archivaufnahme des Teppichwebens in Gyantse aus dem Jahr 1938; der Katalog des Bundesarchivs nennt eine Weberei in Pala.
Archivaufnahme des Teppichwebens in Gyantse aus dem Jahr 1938; der Katalog des Bundesarchivs nennt eine Weberei in Pala.

Umrunden heißt lesen

Die Architektur lenkt nicht nur den Blick, sondern auch die Bewegung. Die viergeschossige Terrasse folgt einem zwanzigwinkeligen Grundriss; entlang des äußeren Weges öffnen sich die Türen der Kapellen. Weiter oben verbinden eine runde Stupaform und innere Passagen die Geschosse. Die Umrundung eines heiligen Ortes im Uhrzeigersinn ist damit in den Bau eingeschrieben. Jede Wendung führt zu einer neuen Schwelle und einem weiteren ausgemalten Innenraum. Der Aufstieg ist keine gerade Linie zu einem einzigen Aussichtspunkt, sondern eine Folge von Begegnungen. Dong beschreibt vier Haupttempel im oberen runden Teil und einen zweigeschossigen inneren Umlauf im Harmika. Geschlossene Räume und offene Terrassen wechseln einander ab, ebenso Innenweg und äußerer Umgang. So wird die räumliche Ordnung selbst Teil der Pilgererfahrung.

Ein Bauwerk vieler Hände

Inschriften bewahren auch Spuren der Menschen, die den Bau gestalteten. In verschiedenen Kapellen werden mindestens 39 Maler aus der Region Tsang genannt. Der Studie zufolge arbeiteten erfahrene Meister mit Schülern in Teams. Als Hauptstifter nennt sie Rabten Kunzang, den Fürsten von Gyantse; die Leitung des Projekts lag beim Abt Rinchen Peldrub. Diese Namen machen aus einem umfassenden religiösen Programm ein lokales Vorhaben, in dem Förderung, klösterliche Autorität und Werkstattpraxis zusammenkamen. Die Studie weist außerdem auf einen konkreten architektonischen Dialog hin: Bemalte Augen, die mit nepalesischen Stupas verbunden sind, stehen neben chinesischen Dougong-Kragarmen. Die Inschriften geben den Malern Sichtbarkeit, die angesichts der Größe des Gebäudes leicht verloren geht. Der Kumbum ist eine Welt vieler Kapellen und zugleich ein Netzwerk aus Handwerkern, Mönchen und Förderern.

Bemaltes Detail in einer Kapelle des Kumbum in Gyantse.
Bemaltes Detail in einer Kapelle des Kumbum in Gyantse.
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Bildquellen und Bildrechte
  1. Archivaufnahme des Teppichwebens in Gyantse aus dem Jahr 1938; der Katalog des Bundesarchivs nennt eine Weberei in Pala.LBM1948 · CC BY-SA 4.0 Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗
  2. Bemaltes Detail in einer Kapelle des Kumbum in Gyantse.Richard Mortel · CC BY 2.0 Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗