Aus dem Journal

Qingjing-Moschee: Stein und offener Himmel

Quanzhous historische Moschee erzählt ihr langes Leben durch ein monumentales Portal, die Reste einer Gebetshalle und Inschriften über ihre Instandsetzung.

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Eine Schwelle mit langem Gedächtnis

Das Steinportal der Qingjing-Moschee ist ein eindrucksvoller Auftakt. Seine Bogenöffnung macht den Übergang von der Straße bewusst spürbar: Ein Eingang kündigt zugleich den Ort dahinter an. Das Mauerwerk lenkt den Blick auf Umriss, Tiefe und Proportion, noch bevor eine Inschrift gelesen wird. Wer sich chinesische Sakralarchitektur vor allem als Ziegeldächer und Holzhallen vorstellt, begegnet hier unmittelbar einer anderen Bildsprache.

Die Moschee wurde 1009 gegründet und war als Masjid al-Ashab bekannt. Ein umfassender Wiederaufbau 1310 prägte den Grundriss, dessen Überreste heute erläutert werden. Diese Daten gehören in die Jahrhunderte, in denen sich Quanzhous überseeische Verbindungen ausweiteten. Zugleich eröffnen sie eine längere Geschichte von Pflege, Beschädigung und Reparatur. Der Eingang ist als Teil dieser Geschichte zu lesen, nicht als unberührtes Portal eines einzigen Augenblicks.

Ein hohes Spitzbogenportal erhebt sich über einer langen steinernen Straßenmauer.
Das Steinportal der Qingjing-Moschee in Quanzhou.

Den Raum ebenso lesen wie die Mauern

Ein dachloser oder unvollständiger Bau verlangt eine andere Art des Sehens. Statt sich den Blick von einem vollständigen Innenraum ordnen zu lassen, folgt man den erhaltenen Begrenzungen und stellt sich ihre früheren Aufgaben vor: Räume trennen, Gewicht tragen und einer Gemeinde Orientierung geben. Der offene Himmel wirkt eindrucksvoll, doch die fehlende Einfassung bleibt für das Verständnis des Gebäudes wesentlich.

Die einstige Gebetshalle, Fengtiantan genannt, steht westlich des Portals. Ihre Westwand besitzt sieben Nischen mit Koraninschriften, die dem dachlosen Raum einen klaren Bezugspunkt in Richtung Mekka geben. Die Reliefschrift verbindet Gebet mit den Anliegen einer Handelsgemeinschaft: Die städtische Darstellung benennt Passagen über religiöse Pflichten im Handel und Schiffe, die durch göttliche Gunst reisen. Der Stein bewahrt hier sowohl eine Gebetsrichtung als auch Worte, die tägliche Arbeit und Glauben verbanden.

Steinsäulen stehen im Gras innerhalb von Wänden mit Bogenöffnungen.
Die dachlosen Reste der Gebetshalle der Qingjing-Moschee.

Die Reparatur gehört zum Denkmal

Die Darstellung der städtischen Religionsverwaltung beschreibt Erdbebenschäden von 1607 und die Arbeiten, die eine Reparaturinschrift von 1609 festhält. Schriftliche Zeugnisse geben Veränderungen Namen und Daten, die sonst vielleicht nur als Brüche in der Bausubstanz erschienen. Sie machen die Instandsetzung zu einer menschlichen Handlung statt zu einer anonymen Ausbesserung in einer alten Mauer.

Eine Inschrift muss nicht vollständig lesbar sein, um Aufmerksamkeit zu verdienen. Standort, Größe und Verhältnis zum Bau können zeigen, dass jemand eine Erinnerung dauerhaft öffentlich festhalten wollte. Eine Übersetzung oder Erläuterung vor Ort ergänzt dann das konkrete Ereignis. Hier lohnt es sich, bei einem Text zu verweilen, statt alle gemeißelte Schrift als Ornament zu betrachten. Die Mühe, einen Ort wiederherzustellen und diese Arbeit aufzuzeichnen, gehört ebenso sicher zur historischen Bedeutung der Moschee wie ihre früheste Gründung.

Eine Moschee, ein Denkmal, eine Stadt

Qingjings erhaltene Bauten umfassen mehr als das berühmte Portal: Die Reste der Gebetshalle, die Mingshan-Halle, ein Brunnen und historische Stelen bilden gemeinsam die Vielschichtigkeit des Ortes. Unterschiedliche Elemente beantworten unterschiedliche Fragen nach Wasser, Zusammenkunft, Gebet und Erinnerung. Wer den ganzen Komplex betrachtet, verhindert, dass der Eingang zum losgelösten Sinnbild einer vorgestellten fremden Welt wird.

Dies ist ein islamischer religiöser Erinnerungsort in einer lebendigen Stadt. Die von den Verantwortlichen festgelegten Grenzen und Hinweise zum Fotografieren sollten beachtet werden, besonders an Räumen, die zum Gebet genutzt werden. Diese Rücksicht gehört zu aufmerksamem Sehen. Quanzhous Handelsgeschichte wird hier anhand einer bestimmten religiösen Gemeinschaft und eines bestimmten Bauwerks mit eigenen Daten und Veränderungen greifbar. Der offene Raum berührt gerade deshalb, weil genug Stein erhalten blieb, um das reichere Leben ahnen zu lassen, das einst durch ihn hindurchging.

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Bildquellen und Bildrechte
  1. Das Steinportal der Qingjing-Moschee in Quanzhou.泉州市人民政府美食之都申创官方网站 · Rechtestatus nicht geklärt Quelle des Fotos ↗ Originales Seitenverhältnis beibehalten. Anzeigekopien nur bei Bedarf verkleinert; keine Vergrößerung, kein Beschnitt und keine Retusche.
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