Berg Putuo

Eine hörende Präsenz jenseits des Meeres

Warum Guanyin eng mit der Insel Putuo verbunden ist und wie die Idee des Mitgefühls der Insel als heiligem Ort Bedeutung gibt.

In derselben Stadt · Zhoushan ↗

Ein Bodhisattva hört zu

Guanyin ist im Mahayana-Buddhismus ein Bodhisattva: ein Wesen, das nach Erwachen strebt und zugleich auf das Leiden anderer eingeht. In chinesischen Traditionen wird Guanyin besonders mit Mitgefühl und dem Hören auf die Rufe der Welt verbunden. Der Name ist eine Kurzform von Guanshiyin und wird oft als „die die Klänge der Welt hört“ wiedergegeben. Darin liegt ein konkretes menschliches Anliegen: Das Leid eines anderen soll nicht überhört werden. In der buddhistischen Lehre gehört zum Erwachen eines Bodhisattva der Wunsch, anderen Wesen zu helfen. Wer mit buddhistischen Begriffen wenig vertraut ist, kann bei dieser Aufmerksamkeit für andere beginnen und danach die Erzählungen und Bilder der Insel kennenlernen.

Eine vom Meer getragene Geschichte

Eine bekannte buddhistische Überlieferung verbindet Guanyin mit dem Berg Potalaka, einem in Texten und Vorstellungen beschriebenen heiligen Berg. Über Jahrhunderte bezogen chinesische Leser und Pilger diese ferne Idealvorstellung auf Orte in ihrer Nähe. Die Insel Putuo im Zhoushan-Archipel wurde zu einem solchen Bezugspunkt. Das Meer gehört zur Geografie der Erzählung: Es markiert Entfernung, bildet aber auch den Weg zur Insel und lässt sie als eigenen Ort erscheinen. Im Namen der Insel und ihrer Tempellandschaft trifft der heilige Berg der buddhistischen Überlieferung auf die wirkliche Küste von Zhejiang. Andacht sammelte sich um Tempel, Bilder und Reisen; die Landschaft erschloss sich durch die Küstenlinie ebenso wie durch aufmerksames Verweilen.

Rot-goldene Fassade des Puji-Tempels, schattiger Hof und Besucher auf der Insel Putuo.
Besucher im Hof des Puji-Tempels, aufgenommen im März 2015.

Mehr als eine Sichtweise

Auf Putuo trifft die Vorstellung des Zuhörens auf eine konkrete Landschaft. Hinter der felsigen Küste liegen Wasserwege und weitere Inseln; auf einem bewaldeten Kap ist eine kleine vergoldete Figur zu sehen. Weihrauchgefäße, Schwellen und schattige Plätze in den Tempelhöfen bieten Raum zum Verweilen, während Einwohner und Tempelpersonal die Anlagen weiter nutzen und pflegen. Manche kommen zum Beten, andere betrachten die Architektur oder gehen einfach still spazieren. Hügel und Küste liegen im selben Blickfeld: Ein Pfad durch Bäume kann am Meer zwischen den Inseln enden. Sichtbar sind eine Figur auf dem Kap, ein Weg zwischen Bäumen und das Meer dahinter.

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Bildquellen und Bildrechte
  1. Besucher im Hof des Puji-Tempels, aufgenommen im März 2015.Sixian Yu · CC BY-SA 4.0 Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗ Verkleinert und in WebP umgewandelt.