Aus dem Journal

Auf der saisonalen Route der Tibetantilopen

In Qiangtang machen Beidou-Satellitenhalsbänder und Feldforschung die saisonalen Wanderungen der Tibetantilope nachvollziehbar und verbinden Wintergebiete mit den Setzplätzen.

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Eine Route ist keine einzelne Linie

Die saisonale Wanderung der Tibetantilope wird oft als großer Pfeil über das Plateau dargestellt. Die Forschung in Qiangtang zeichnet ein genaueres Bild. Ein Bericht der Xi’aner Zweigstelle der Chinesischen Akademie der Wissenschaften von 2018 beschreibt die Verbindung von Feldarbeit und Beidou-Satellitenhalsbändern. 2013 wurden 15 Antilopen mit Halsbändern ausgestattet; anschließend überprüften Forschende die Positionen vor Ort und kartierten Routen, Rastplätze und Setzgebiete. Laut Bericht näherten sich Herden wichtigen Setzplätzen aus verschiedenen Richtungen. Nicht alle Tiere folgten derselben Spur. Die Wanderung gleicht eher einem Netz aus saisonalen Passagen, Rastorten und Zielen als einer einzigen Linie auf der Karte.

Auf das Signal folgt Feldarbeit

Ein Halsband übermittelt einen Standort, erklärt aber nicht, was das Tier dort vorfindet. Der CAS-Bericht verbindet Satellitenverfolgung mit Kontrollen am Boden und Luftaufnahmen. Ein Starrflügler-Drohnenflug erfasste Herdendichte, Zahl und Altersstruktur; die Forschenden berichten, ein bedeutendes Setzgebiet bei den Bergen Sewu und am Fluss Tianshui im Westen Qiangtangs bestätigt zu haben. Sein Kerngebiet sei etwa 80 bis 100 Quadratkilometer groß. Erst wenn ein Punkt auf dem Bildschirm mit Gelände und Beobachtungen vor Ort verglichen wird, wird daraus ein überprüfter Ort.

Eine Jahreszeit aus der Luft

Eine begutachtete Studie in Oryx beschreibt Drohnenflüge im Juli 2016 südlich eines bekannten Setzplatzes am Fuß des Berges Sewu. Aus rund 4.000 Luftbildern erstellten die Forschenden zwölf Orthomosaike und identifizierten in den Fluggebieten mehr als 23.000 Antilopenbeobachtungen; die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass Überlappungen zu Doppelzählungen führen können. Überlappende Bilder im Abstand von 30 Minuten zeigten zudem Gruppen, die sich in verschiedene Richtungen bewegten. Luftbilder machen das Plateau nicht zum Spektakel. Sie machen Bewegung zählbar und zeigen zugleich die Grenzen der Zählung: Tiere verdecken einander, das Gelände wechselt, jedes Bild hat ein Datum und einen begrenzten Erfassungsbereich.

Ein datierter Bericht

Ein 2024 vom Kultur- und Tourismusamt Tibets veröffentlichter Xinhua-Bericht beschreibt, wie sich trächtige Weibchen im Norden Qiangtangs sammeln und zu vertrauten Setzplätzen ziehen. Die Fotos sind ausdrücklich auf den 8., 10. und 12. Mai 2024 datiert; als Fotografen nennt die Quelle die Xinhua-Korrespondenten Dingzeng Nida und Jiang Fan. Sie dokumentieren die Wandersaison jenes Jahres, nicht heutige Herden in Echtzeit. Satellitendaten, Feldkontrollen und datierte Bilder bieten zusammen eine verlässliche Lesart: eine saisonale Passage, die geduldig beobachtet wird, statt ein garantiertes Tiererlebnis.

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