Aus dem Journal

Shuzhuang: Ein Garten mit dem Meer vor seinen Mauern

Lin Erjias Familienverbindungen, die Küstenkomposition und wechselnde Maßstäbe von Fels, Weg und Meer erschließen Shuzhuang auf Gulangyu.

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Eine Familienerinnerung an einem anderen Ufer

Im Shuzhuang-Garten verändert das Meer den Maßstab von allem Nahen. Eine Felsanordnung lässt sich aus Armlänge betrachten; dahinter liegt ein Horizont, der sich nicht einschließen lässt. Zwischen diesen Maßstäben zu wechseln ist zentral für das Verständnis des Gartens. Eine intime Komposition steht vor einer weiten Küste.

Forschungen des Xiamen-Museums verbinden den 1913 von Lin Erjia angelegten Garten mit dem Familiengarten in Banqiao auf Taiwan. Diese Verbindung gibt dem Ort eine menschliche Geografie. Gartenkunst konnte eine erinnerte Landschaft übers Wasser tragen, ohne sie genau zu kopieren. Entscheidend ist die Beziehung zwischen Erinnerung und neuem Standort: Die ererbte Formensprache eines Familiengartens traf auf Gulangyus offene Küste.

Nahe Felsen, fernes Wasser

Die Kulturerbedokumentation unterscheidet Shuzhuangs Gartenbereiche Canghai und Bushan und nennt Elemente wie die Vierundvierzig-Brücke und die Zwölf Grotten. Namen geben hilfreichen Halt, doch die Komposition erschließt sich besser durch Bewegung. Ein Weg bringt einen Fels nahe, eine Wendung öffnet den Fernblick, eine Brücke verändert das Verhältnis von Füßen und Wasser.

Es lohnt sich, dort zu pausieren, wo ein Vordergrundelement und das Meer zusammen sichtbar sind. Die kleinen Gartenformen müssen nicht mit der Küste konkurrieren. Sie geben einen Bezugsrahmen: Geländer, Pavillon oder Stein bieten dem Auge etwas Nahes, bevor es nach außen wandert. Das Meer wiederum lässt einen bewusst gestalteten Raum weniger abgeschlossen wirken. Aufschlussreicher als eine Sammlung einzelner Attraktionen ist dieses wechselnde Verhältnis.

Eine Steinbrücke führt bei Sonnenuntergang neben einem großen Felsen über stilles Wasser.
Shuzhuang-Garten vereint Brücken, Felsen und Meer in einem Blick.

Ein Garten, der auch geschrieben wurde

Die fotografische UNESCO-Dokumentation enthält Inschriften Lin Erjias in Shuzhuang. Sie erinnern daran, dass ein chinesischer Garten gelesen ebenso wie betrachtet werden kann. Ein Name oder eine Inschrift lenkt Aufmerksamkeit, bindet Erinnerung an einen Ort und schlägt eine Deutung des Davorliegenden vor.

Ohne Chinesischkenntnisse hilft zunächst, den Standort der Schrift wahrzunehmen. Begegnet sie vor einer sich öffnenden Aussicht, neben einem Felsen oder an einer baulichen Schwelle? Die Platzierung wird schon vor der Übersetzung verständlich. Nicht jede Inschrift sollte als uralter anonymer Spruch gelten. Hier gehört zumindest ein Teil der dokumentierten Schrift zu einer namentlich bekannten Person, deren Familiengeschichte selbst Teil des Gartens ist.

Vom offenen Horizont zur Klaviatur

Das Klaviermuseum oberhalb des Gartens bringt einen unerwarteten Maßstabwechsel. Seine Sammlung umfasst Instrumente sehr unterschiedlicher Formen und Größen, von kleinen Ausführungen bis zu langen Konzertflügeln. Während der Garten den Blick zwischen Fels und Horizont bewegt, lenken diese Objekte ihn auf Gehäuse, Tastaturen und die möbelartige Präsenz eines Instruments im Raum.

Das Nebeneinander verdient Bewahrung, statt eingeebnet zu werden. Küstengarten und Klaviersammlung erzählen verschiedene Geschichten von Austausch, Geschmack und Erinnerung auf derselben Insel. Der eine ordnet lebende Pflanzen, Stein und Aussichten, die andere bewahrt zur Klangerzeugung gebaute Gegenstände. Zusammen eröffnen sie zwei Wege nachzudenken, was Menschen an einen Ort bringen, pflegen und hinterlassen möchten.

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Bildquellen und Bildrechte
  1. Shuzhuang-Garten vereint Brücken, Felsen und Meer in einem Blick.厦门市鼓浪屿文化旅游发展中心 · Rechtestatus nicht geklärt Quelle des Fotos ↗ Originales Seitenverhältnis beibehalten. Anzeigekopien nur bei Bedarf verkleinert; keine Vergrößerung, kein Beschnitt und keine Retusche.