Aus dem Journal

Midui-Dorf und die Pferdekarawane am Gletscher

Am Fuß des Midui-Gletschers organisierten die Bewohner ihre Rittangebote als gemeinschaftlichen Betrieb und ergänzten sie später um Ausflugsfahrzeuge mit einheimischen Fahrern sowie weitere Dienste.

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Der Midui-Gletscher zieht sich zu einem See und einem herbstlichen Tal hinab
Midui-Gletscher und See unterhalb im Herbst, fotografiert am 17. September 2008. Foto: Jan Reurink, CC BY 2.0.

Ein Dorf am Fuß des Eises

Ein Regierungsbericht aus dem Jahr 2022 verortet das Dorf Midui am Fuß des Gletschers und schildert einen Besucher, der zu Pferd dorthin unterwegs ist. Jiang A Luobu hilft ihm beim Aufsteigen und führt ihn zum nicht weit entfernten Eis. Diese kleine Szene lenkt den Blick vom weißen Bergmassiv zurück ins Dorf. Midui ist nicht nur ein Gletscher im Tal, sondern auch ein Ort, an dem Bewohner Gäste empfangen, sie auf dem letzten Wegstück begleiten und mit der Landschaft vor ihrer Haustür ihren Lebensunterhalt verdienen.

Demselben Bericht zufolge beteiligten sich alle 58 Haushalte am Pferdeservice. Die Tiere wechselten sich ab; das Dorfkomitee verwaltete die Gebühren und verteilte die Einnahmen am Jahresende an die Bewohner. 2005 wurde die Dorfstraße an die Nationalstraße 318 angeschlossen. So rückte die zuvor ruhige Siedlung näher an die durchreisenden Gäste heran. Aus der Begegnung von Straße, Gletscher und Dorf entwickelte sich der gemeinsame Pferdedienst.

Der schneebedeckte Midui-Gletscher über einem Tal im Kreis Bomi
Midui-Gletscher in Bomi, fotografiert am 22. Mai 2010. Foto: 牛糞, CC BY-SA 3.0.

Von einzelnen Ritten zur Dorfgesellschaft

Als immer mehr Bewohner Ritte anboten, wurde die Koordination schwierig; überfüllte Ställe beeinträchtigten zudem die Umgebung des Gletschers. 2020 gründete Midui nach Gesprächen zwischen der Gemeinde Yupu und der Dorfparteiorganisation eine Tourismusgesellschaft, die von den Bewohnern finanziert und gemeinschaftlich gehalten wurde. Der Bericht von 2024 sagt, dass sie alle 104 Dorfpferde in den Betrieb aufnahm, eine Unfallversicherung abschloss und den Pferdeservice ordnete.

Eine weitere Etappe begann 2022: Kleidung und Reitausrüstung der Mitglieder wurden einheitlich entworfen und hergestellt; zugleich kümmerte man sich um Stallmanagement und die Pflege des Dorfes. Die Gemeinschaft wollte die Besucherarbeit geordneter gestalten und die lokale Beteiligung erhalten. Ein externer Ferienanbieter übernahm den Betrieb nicht. Die Gesellschaft wurde von Dorfvertretern geführt und bezog die Pferde der Familien im gesamten Ort ein.

Mehr als der Ritt zum Gletscher

Bis 2024 reichten die Besucherdienste des Dorfes über die Pferderoute hinaus. Dem Bericht zufolge waren damals täglich mehr als zehn Ausflugsfahrzeuge unterwegs, gefahren von Einheimischen mit Fahrerlaubnis. Außerdem bot das Dorf Aufführungen an und vermietete Verkaufsstände für lokale Produkte. Ein Besuch am Gletscher stützte so verschiedene Tätigkeiten: Begleitung zu Pferd, Fahrdienste, Darbietungen und den Verkauf regionaler Waren.

Die in den Berichten überlieferten Jahreszahlen zeigen den Wandel: Straßenanschluss 2005, Beteiligung des ganzen Dorfes am Pferdedienst bis 2022 und die Koordination sowie Erweiterung durch die Gesellschaft bis 2024. Die Besucher kommen wegen des Midui-Gletschers, doch die Geschichte an seinem Fuß gehört dem Dorf – seinen Pferden, der gemeinsamen Verwaltung und der Arbeit, die die Bewohner rund um ihre Heimatlandschaft aufgebaut haben.

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Bildquellen und Bildrechte
  1. Midui-Gletscher und See unterhalb im Herbst, fotografiert am 17. September 2008. Foto: Jan Reurink, CC BY 2.0.Jan Reurink · CC BY 2.0 Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗
  2. Midui-Gletscher in Bomi, fotografiert am 22. Mai 2010. Foto: 牛糞, CC BY-SA 3.0.牛糞 · CC BY-SA 3.0 Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗