Aus dem Journal

Ein Armschutz, ein Raum

Ein 1995 in Niya geborgener Seiden-Armschutz hat im Regionalmuseum in Ürümqi einen eigenen Raum: fünf Kettenfarben, Phönix- und Tigermotive, ein nachgebauter Han-Webstuhl und eine Vitrine mit stabilem Klima.

Der Fund

1995 öffnete ein chinesisch-japanisches Team in Niya am Südrand des Taklamakan einen Friedhof nördlich der Stätte. Grab 8 enthielt ein Paar, das als König und Königin von Jingjue gilt — dem kleinen Reich, das die Han-Annalen so nennen. Das Stück, das die Grabung berühmt machte, lag rechts oben beim Mann, mit Bogenköcher, Pfeilköcher und einer Brokatmütze.

Die Ausgräber lasen die Gruppe als Bogenschützen-Ausrüstung und das Stück als Armschutz: ein Seidenrechteck, das am Unterarm die Sehne abhält. Es ist ein Denkmal ersten Ranges und eines der ersten, denen China Ausfuhren für Ausstellungen verbot.

Was das Gewebe trägt

Der Armschutz ist klein, das Gewebe nicht. Fünf Kettenfarben — Blau, Grün, Rot, Gelb, Weiß — tragen Phönixe, Luan-Vögel, Qilin und weißen Tiger, dazwischen Wolken, Berge, Sterne und Pflanzen. Die Zeichen 五星出东方利中国 laufen im Muster mit: ein eingewobenes Han-Omen, kein späteres Etikett.

2018 wob ein Team eine Kopie auf einem rekonstruierten Han-Jacquardstuhl. Die Kopie zeigt die Logik des Stoffs: Die Farbe sitzt in der Kette, und das Muster wächst Zeile für Zeile, wenn der Stuhl die Fäden hebt.

Was ein Raum leistet

Am 13. Juli 2025 eröffnete das Regionalmuseum eine Schau um dieses eine Stück. Das Museum nennt sie die erste Ausstellung des Landes, die einem einzelnen Nationalschatz gilt, und legte sie in das siebzigjährige Jubiläum der Region. Der Armschutz steht in einer zylindrischen Vitrine, die Licht, Feuchte und Temperatur konstant hält und sich fern regeln lässt.

Um die Vitrine ergänzte das Museum ein Theater, das Niya rekonstruiert, einen digitalen Webstuhl, an dem Besucher ein Schiffchen werfen, und einen Fragebildschirm. Kurator Yu Zhiyong beschreibt das Ziel, das Objekt „sichtbar, berührbar, fühlbar“ zu machen. Das ist die Deutung des Museums; der Raum belegt, wie ein Textil heute ausgestellt wird und was ein Besucher noch am Stück selbst prüfen kann.

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