Aus dem Journal

Ein Fluss, der gebaut werden musste

Karamay ist nach Öl benannt, und es regnet dort weniger als 130 mm im Jahr. Im Jahr 2000 brachte eine Überleitung Wasser aus über 400 km Entfernung, und ein 8,5 km langer Kanal führte es durch die Stadt. Das Grün folgte.

Eine Stadt ohne Wasser

Karamay heißt auf Uigurisch „schwarzes Öl“, und es ist die einzige nach Erdöl benannte Stadt. Sie liegt am Nordwestrand des Dsungarischen Beckens, fünfzehn Kilometer von der Wüste Gurbantünggüt entfernt, ringsum Schotter und Wüste. Die Zahlen sind nüchtern: unter 130 mm Regen im Jahr, über 3500 mm Verdunstung.

Die ersten Jahrzehnte waren um das Wasser herum organisiert. Lastwagen und Kamele fuhren vierzig Kilometer zu Schilfteichen, die Haushalte hatten Rationen, und die Quelle vermerkt, dass etwa zwanzig Menschen auf den Wegen der Wassersuche und -leitung starben. Das Öl kam zuerst, doch ohne Wasser konnte die Stadt nicht wachsen.

Acht Komma fünf Kilometer

Im Frühjahr 1997 begann das größte Wasserprojekt der Region: eine Überleitung aus über vierhundert Kilometern. Drei Jahre und mehr als dreißigtausend Arbeiter später kam das Wasser. Am 8. August 2000 lief es über den Wasserfall der Neun Drachen, acht künstliche Meter, und dann durch einen 8,5 Kilometer langen Kanal ins Zentrum.

Dieser Kanal ist der Karamay-Fluss: künstlich, gebaut, und heute die Linie, um die sich die Stadt ordnet. Auf ihm werden Drachenbootrennen gefahren. Ihn Fluss zu nennen ist eine Konvention, keine geographische Behauptung.

Worauf das Grün ruht

Die Grünfläche lag 1979 bei 1 Prozent und 1999 bei 21,6 Prozent; für 2023 meldet die Stadt 44 Prozent, fünfzehn Quadratmeter öffentliches Grün pro Kopf und 342 Tage mit guter Luft. Zwischen Stadt und Wüste wurden rund drei Millionen Bäume als Schutzgürtel gepflanzt, und 2022 kamen zu 22 Parks weitere 55 kleine Parks.

Das sind die Zahlen der Stadt aus ihren eigenen Materialien, und Wörter wie „Wunder“ und „Umschwung“ sind die der Quelle, nicht dieses Artikels. Was die Zahlen beschreiben, ist real: ein trockenes Becken, in dem Schatten gebaut wird und in dem erst ein Fluss entstehen musste, bevor ein Garten möglich war.

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