Ein Kräuterteeladen bietet mehr als ein anderes Getränk als das Teeangebot eines Restaurants. Sein Tresen verbindet das Viertel mit der südchinesischen Tradition, Getränke aus Kräutern zuzubereiten. Namen und Mischungen umfassen ein Vokabular von Geschmack, Jahreszeiten und Körperempfinden, geprägt von Vorstellungen der chinesischen Medizin. In Hongkong gehört es zum Alltag von Läden und Straßen.
Aus dem Journal
Der Kräuterteeladen als Nachbarschaftsraum
Hongkongs Kräuterteeläden bringen eine südchinesische Getränketradition in den Alltag der Stadt.

Tresen und Nachbarschaft
Eine südliche Tradition in der Stadt
Das Amt für immaterielles Kulturerbe verfolgt den Brauch in Südchina und dokumentiert eine über hundertjährige Geschichte der Läden in Hongkong. Sie machten eine spezialisierte Zubereitung im öffentlichen Alltag zugänglich. Kunden mussten nicht alle Zutaten selbst sammeln und verarbeiten; ein Gewerbe brachte Hersteller und Trinkende zusammen.
Früher dienten manche Läden auch als Treffpunkte und Unterhaltungsorte der Nachbarschaft. Ein Getränk zu kaufen gehörte zur gemeinsam verbrachten Zeit, in der Gespräche und Zuhören ihren Platz hatten.
Die soziale Geschichte im Blick
Das kulturelle Interesse liegt in der Verbindung von Zubereitung und Gesellschaft. Die chinesische Medizinkultur erklärt, wie man das Getränk verstand; der Laden zeigt, wie die Praxis Teil des Stadtlebens wurde. So bleiben Hersteller und Kunden sichtbar und unterschiedliche Mischungen und Nachbarschaftserfahrungen erhalten ihren Platz.

