Ein Shikumen-Eingang kann wie ein kleines architektonisches Gespräch wirken. Der Steinrahmen gab Shikumen seinen Namen, der häufig als „Steintor“ wiedergegeben wird; Ziegelwände, Ziegeldächer und Reihen niedriger Häuser prägen eine unverkennbar städtische Straße. Die Formen verbinden chinesische Bauweisen mit Merkmalen, denen Shanghai während seiner modernen Kontakte mit der Außenwelt begegnete. Doch kein einzelner Eingang steht für alle Gassen. Shikumen bezeichnet eine breite Familie von Lilong-Wohnhäusern, die in unterschiedlichen Zeiten und Grundrissen über die Stadt verteilt errichtet wurden.
Hinter der Schwelle verändert sich der Maßstab. Ein vorderer Raum öffnet sich zur Gasse; Zimmer und Treppen erhalten Licht aus einem kleinen Innenhof oder Lichtschacht. Die Türen liegen einander an schmalen Durchgängen gegenüber, sodass der Alltag immer auch eine öffentliche Seite hatte: Nachbarn gingen vorbei, Stimmen trugen sich weiter, und vor der Tür konnte man innehalten. Das ist keine erstarrte Architekturkulisse, sondern eine Wohnform, die aus der praktischen Notwendigkeit entstand, viele Haushalte in einer wachsenden Stadt unterzubringen.
