Aus dem Journal

Lujiazui am Huangpu: Wie eine Skyline einem Fluss zugewandt ist

Lujiazuis berühmte Türme erschließen sich besser als Ensemble rund um den Huangpu. Ihre Geschichte verbindet Pudongs Entwicklung nach 1990 mit einer sich wandelnden Vorstellung vom öffentlichen Shanghaier Flussufer.

In derselben Stadt · Shanghai ↗

Mit dem Wasser beginnen

Lujiazui liegt in Pudong am Ostufer des Huangpu. Der Fluss ist kein nachträglich hinzugefügter Hintergrund der Türme, sondern der offene Raum, der die Skyline lesbar macht. Vom anderen Ufer bilden der Oriental Pearl Tower und die Gruppe der Hochhäuser eine Komposition. Innerhalb Lujiazuis werden dieselben Gebäude Teil eines dichten Viertels mit Büros, Geschäften, Verkehr und öffentlichen Räumen.

Diese Perspektive hilft, den Huangpu vom Suzhou Creek zu unterscheiden. Der Huangpu ist der breite Fluss zwischen dem historischen Zentrum und Pudongs zentralem Ufer. Der Suzhou Creek ist ein kleinerer Wasserlauf, der nahe der Altstadt in ihn mündet. Die Wasserwege treffen sich, doch Lujiazuis ikonischer Blick aufs Flussufer gehört zum Huangpu. Diese Unterscheidung hilft beim Lesen einer Karte und beim Verständnis dafür, warum sich die beiden Ufer so verschieden anfühlen.

Ein Viertel, geprägt seit 1990

Pudongs Entwicklung und Öffnung im Jahr 1990 markierten einen großen Wandel in Shanghais Stadtgeografie. Das Gebiet jenseits des Huangpu war nicht mehr bloß die entfernte Flussseite, sondern wurde zu einem wichtigen Standort der Finanz- und Wirtschaftsentwicklung. Die Stadtverwaltung beschreibt Lujiazui Financial City heute als Kerngebiet zur Unterstützung des internationalen Finanzzentrums Shanghai.

Das Planungsgebiet des Kleinen Lujiazui umfasst ungefähr 2,4 Quadratkilometer und wird im Westen und Norden vom Huangpu begrenzt. Ein im Juli 2026 veröffentlichter Entwurf zur öffentlichen Konsultation schlägt eine stärkere Beziehung zwischen dem Platz am Oriental Pearl Tower, dem Shanghai Tower und weiteren Wahrzeichen vor. Der Entwurf betrachtet sie als Gruppe im Stadtraum. Die Wirkung eines Gebäudes in der Skyline hängt zum Teil von seiner Form und zum Teil vom Raum um es herum ab.

Vom Wahrzeichen zur fußläufigen Stadt

Der Plan schlägt ein Fußwegenetz vor, das Flussufer, Gebäude und U-Bahn-Stationen verbindet. Eine Skyline wird in zwei Maßstäben erlebt. Vom Bund oder einem anderen gegenüberliegenden Ufer erscheint Lujiazui als gemeinsames Bild; auf Straßenhöhe entsteht seine Bedeutung durch öffentliche Räume und Wege zwischen Türmen, Plätzen und Wasserkante. Der Entwurf stellt sich ein stärker vernetztes Viertel vor, das den Blick vom anderen Ufer mit der Erfahrung zu Fuß verbindet.

Vom gegenüberliegenden Huangpu-Ufer erscheinen der Oriental Pearl Tower und die Hochhausgruppe gemeinsam in einem Bild. In Lujiazui selbst kehrt sich der Flussblick um: Das gegenüberliegende Ufer wird zum Horizont, während die Türme hinter dem Betrachter aufragen. Diese beiden Perspektiven machen den Fluss zum Teil der Komposition statt zu leerem Zwischenraum. Wer das Viertel zum ersten Mal betrachtet, kann darauf achten, wie die Entfernung der Skyline ihre Form gibt und wie Plätze und Wege das Finanzviertel wieder auf menschliches Maß bringen.

Lujiazui — Duoyun-Buchhandlung im Shanghai Tower: Glasfassade und Stadtblick
Lujiazui — Duoyun-Buchhandlung im Shanghai Tower: Glasfassade und Stadtblick
Weiterentdecken · Lujiazui ↗
Bildquellen und Bildrechte
  1. Lujiazui — Duoyun-Buchhandlung im Shanghai Tower: Glasfassade und StadtblickShanghai Municipal Administration of Culture and Tourism. · Nutzungsrechte nicht angegeben Quelle des Fotos ↗ Rechteinformationen ↗ Verkleinert und ohne Beschnitt in WebP umgewandelt.