1955 entdeckten Arbeiter beim Bau der Wohnsiedlung Lei Cheng Uk ein Grab. Der Nachkriegswohnungsbau lief unter großem Zeitdruck, denn neue Häuser sollten den Bedarf einer wachsenden Stadt decken. Im geöffneten Boden lag jedoch eine viel ältere Anlage: ein Grab aus der Östlichen Han-Zeit. An einem Ort trafen zwei Geschichten aufeinander, die Wohnungsversorgung und eine Bestattung von vor etwa achtzehn Jahrhunderten.
Aus dem Journal
Ein Ost-Han-Grab unter einem Wohnungsbauprojekt
1955 wurde beim Bau der Wohnsiedlung Lei Cheng Uk ein Grab aus der Östlichen Han-Zeit entdeckt. 58 Grabbeigaben und ein Backstein mit dem Namen Panyu verbinden Kowloon mit der Geografie der Han.
In diesem Bezirk · Sham Shui Po ↗Wohnraum im Bau
Achtundfünfzig Grabbeigaben
Das Museum verzeichnet 58 Grabbeigaben aus der Anlage. Zusammen bilden sie eine Gruppe, die zu einer Bestattung gehört, und lassen die Arbeit der Ausgrabung erahnen: Jedes Stück musste geborgen, erfasst und im Zusammenhang mit dem Grab verstanden werden. Die Gegenstände erzählen gemeinsam mehr als ein einzelner auffälliger Fund. Materialien und Formen begleiteten die Toten in das Jenseits, das sich ihre Schöpfer vorstellten.
Ein Kreisname im Backstein
Die Ziegelinschrift des Grabes enthält den Namen Panyu. Das Hong Kong Museum of History erklärt, dass Hongkong zur Han-Zeit zum Kreis Panyu gehörte. Der in den Backstein gedrückte Ortsname verbindet die Bestattung mit einer Verwaltungsgeschichte, die über das heutige Kowloon hinausreicht. Die Inschrift verortet das Grab im damaligen Kreissystem, während der Name der bestatteten Person unbekannt bleibt.
Von der Baustelle ins Museum
Das Grab kam bei einem Wohnungsbauprojekt zum Vorschein; die Funde gelangten später in ein öffentliches Museum. Der Wechsel vom Baugrund zum bewahrten Kulturerbe zeigt, wie Stadtentwicklung ältere Orte unerwartet freilegen kann. Um die Fundstelle herum entstanden weiterhin Wohnungen, während Grab und Beigaben als Teil von Hongkongs viel älterer Landschaft bewahrt wurden. Heute lassen sich Grabarchitektur und Funde gemeinsam im Museum erleben.