Ein Garten kommt unter der Erde zum Vorschein

1995 legten Archäologen am Standort des Nanyue-Palasts einen Teil eines großen, steinernen Beckens frei. Zwei Jahre später kam ein gewundener Steinwasserlauf hinzu. Ein abgedeckter Holzkanal verband ihn mit dem Becken; gemeinsam bildeten sie die Wasseranlage eines königlichen Gartens.

Heute sind diese Befunde im Palast-Ausstellungsbereich des Nanyue-König-Museums im Zentrum Guangzhous zu sehen. Kurven, steinerne Ränder und Höhenunterschiede geben einem weit zurückliegenden Hof einen konkreten Ort. Der Garten gehörte zur Hauptstadt von Nanyue, deren Überreste nun zwischen den Straßen einer viel jüngeren Stadt liegen.

Wasser für den Alltag und für den Anblick

Bei den Ausgrabungen kam auch ein gemauerter Trinkwasserbrunnen zum Vorschein. Wasser erfüllte auf dem Palastgelände mehrere Aufgaben: Es versorgte die Menschen, floss durch Kanäle und wurde in einem gestalteten Garten sichtbar. Spätere Arbeiten brachten Palastgebäude und Entwässerungsanlagen sowie beschriftete Holztafeln und weitere Funde ans Licht.

Das Museum nennt Becken, einen gewundenen Kanal, kleine Brücken, Trittsteine sowie offene und abgedeckte Abflüsse als Bestandteile des Gartens. Zusammen zeigen sie, wie Wasser aussehen und wohin es fließen sollte. Die Anlage beruhte nicht nur auf bepflanztem Boden, sondern auch auf gebauter Infrastruktur.

Ein weiterer Palast, eine weitere Zeitschicht

Am Ort sind außerdem Palast- und Gartenreste des späteren Königreichs Südliche Han erhalten. Ausgegrabene Ziegel, Dachziegel und Alltagsgegenstände stammen aus verschiedenen Zeiten. Wiederholtes Bauen legte in demselben Stadtgebiet mehrere Schichten übereinander.

Brunnen aus vielen Jahrhunderten gehören ebenfalls zu dieser Abfolge. Sie verbinden die Überreste königlicher Anlagen mit dem anhaltenden Bedarf an Wasser in einer bewohnten Stadt. Unter dem heutigen Guangzhou liegen sorgfältig gestaltete Hofräume neben den praktischen Systemen, die ihre Nutzung ermöglichten.