Ein Gewand aus vielen Jadestücken

Im Nanyue-König-Museum liegt eine menschliche Gestalt unter einem Raster aus Jade und roter Seide. Das Bestattungsgewand ist 173 Zentimeter lang und besteht aus 2.291 Jadestücken. Kapuze, Oberteil, Ärmel, Handschuhe, Hosenbeine und Schuhe lassen das harte Material wie Kleidung erscheinen.

Die Stücke sind auf unterschiedliche Weise verbunden. An Kopf, Händen und Füßen wurden glatte Jadeplättchen mit Löchern am Rand mit roter Seide vernäht. Ein großer Teil des Rumpfes besteht aus Stücken, die aus älteren Jadeobjekten oder Restmaterial geschnitten wurden. Sie sind auf Hanfgewebe befestigt und mit schräg verlaufenden Seidenbändern gesichert. Sorgfältiger Zuschnitt trifft auf mehrere Montageweisen.

Kleidung für ein königliches Begräbnis

Das Gewand stammt aus dem Grab des Herrschers, der als König Wen von Nanyue bekannt ist. Seine Hauptstadt lag am Ort des heutigen Guangzhou. Nanyue bestand vom späten dritten Jahrhundert bis 111 v. Chr., in einer Zeit, in der sich kaiserliche Herrschaft und regionale Macht im Süden Chinas neu ordneten.

Inmitten dieser politischen Geschichte lenkt das Gewand den Blick auf einen einzelnen Körper und die Arbeit an einem königlichen Begräbnis. Seine sechs Teile verwandeln vertraute Kleidungsformen in eine Ausstattung für das Grab. Material, Stückzahl und Konstruktion geben dieser Bestattung einen konkreten Maßstab.

Verschiedene Arbeiten in einem Objekt

Handschuhe und Schuhe machen das Gewand besonders anschaulich. Kleine Elemente müssen den Formen von Fingern und Füßen folgen; für die größeren Körperpartien wurden Jade, Textil und Seide anders angeordnet. Die Bezeichnung „mit Seide vernähtes Jadegewand“ fasst diese unterschiedlichen Arbeitsschritte zusammen.

Auch wiederverwendete Jade und Verschnitt gehören zu diesem königlichen Objekt. Sie verbinden seinen monumentalen Eindruck mit der praktischen Arbeit des Auswählens, Schneidens und Einpassens. In der Ausstellung zum Königsgrab steht das Gewand im archäologischen Zusammenhang von Nanyue; seine Oberfläche lässt diese Geschichte körperlich nahekommen.